MARIA-WARD GRUNDSCHULE WALDKIRCHEN

Typisierungsaktion für leukämiekranke Lehrerin Johanna Aigner


Erst Ende Juli dieses Jahres wollte die Grundschullehrerin Johanna Aigner nach 42 Dienstjahren den wohlverdienten Ruhestand antreten. Doch schon vorher erkrankte sie schwer – Diagnose: Blutkrebs! Aber Leukämiepatienten haben berechtigte Hoffnung auf Heilung – wenn sie einen geeigneten Stammzellenspender finden. Eine solche Typisierungs-Aktion hat nun die Stadt Waldkirchen zusammen mit der Maria-Ward-Grundschule Waldkirchen initiiert, und 465 Personen im Alter zwischen 17 und 45 Jahren sind gekommen. Als kleines Dankeschön für die Teilnahme gab’s einige Freikarten für das Waldkirchener Hallenbad.

Bürgermeister Heinz Pollak und Schulleiterin Eva Spindler hießen zu Beginn der Aktion im Schulhof die freiwilligen Helfern aus den Reihen des Roten Kreuzes, des Malteser Hilfsdienstes, der Wasserwacht, der Lehrer- und Ärzteschaft der Umgebung sowie Sprechstundenhilfen willkommen. Und nach einer kurzen Einweisung durch Peter Bernhard von der organisierenden Stiftung ‚Aktion Knochenmarkspende Bayern‘ (AKB) ging es los: Registrierung der Personen, Durchführung von Corona-Tests, Daten-speicherung und schließlich Blutabnahme.

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Nur ein Beispiel für viele andere: Lehrerin Edeltraud Stegbauer-Wagner, Sekretärin Edith Schiller (beide Grundschule Waldkirchen) und Sekretärin Maria Stögbauer (Grundschule Holzfreyung) waren über fünf Stunden hinweg damit beschäftigt, die erforderlichen Daten der Typisierungsteil-nehmer in die AKB-Datei einzupflegen. Dazu standen den Helfern mehrere Räume der Schule wie 465 Pikser voller Hoffnung Aula (Aufnahme), Klassenzimmer (Tests) und Mensa (Blutentnahme) zur Verfügung.

Während die Typisierung anfangs etwas schleppend anlief, fanden sich vor allem am späteren Nachmittag immer mehr Personen ein. Unter ihnen waren auch größere Gruppen wie von der Wasserwacht Waldkirchen (in der Johanna Aigner über viele Jahre sehr engagiert mitarbeitete) und von der Bundeswehr. Zahlenmäßig am stärksten vertreten war wohl der Sportverein SV DJK Karlsbach, dessen Sportler ihrer ehemaligen Lehrerin helfen wollten. Denn Aigner hatte, neben Grundschulen in Neureichenau, Lackenhäuser, Schönberg, Böhmzwiesel und Waldkirchen auch in Karls-bach viele Jahre lang unterrichtet.

Mit der Beteiligung an der Aktion sind Bürgermeister Heinz Pollak und Schulleiterin Eva Spindler sehr zufrieden. Vertreter des Roten Kreuzes weisen aber auch darauf hin, dass eine solche Typisierung auch später jederzeit bei den üblichen Blutspendeterminen im Landkreis Freyung-Grafenau und darüber hinaus erfolgen kann.

Die Initiatoren aus Stadt und Schule wollen nun aber auch um Geldspenden bitten, denn die AKB lebt von solchen Zuwendungen – eine Typisierung kostet 35 Euro. Deshalb ist die Bevölkerung, insbesondere auch die Geschäftswelt, zu Spenden aufgerufen. Möglichkeiten zu spenden gibt es unter:

www.akb.de/spenden oder an
die Adresse Stiftung Aktion
Knochenmarkspende Bayern,
IBAN DE67 7025 0150 0022 3946
88 /Verwendungszweck Johanna Aigner-Waldkirchen.

Gegenüber Schulleiterin Eva Spindler, die mit der erkrankten Kollegin in regelmäßigem telefonischem Kontakt steht, drückte Johanna Aigner ihren herzlichen Dank an alle aus, die zur Typisierung gekommen sind. Das gebe ihr wieder viel neue Kraft, die schwere Krankheit zu überwinden. Und sie sei sehr stolz auf die Stadt Waldkirchen und die Waldkirchener Grund-schule, die diese Aktion auf die Beine gestellt haben.

Was bringt die Typisierung?
Verena Spitzer von der Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern (und ehemalige Patientin), erläuterte gegenüber der PNP einige Details:
Durch die Blutuntersuchung der Spender wird festgestellt, ob es genügend Übereinstimmungen bei den Gewebemerkmalen von Patient und Spender gibt. Die Oberflächenstruktur der Zellen ist nämlich sehr individuell und weltweit divers (was es so schwierig macht, einen geeigneten Spender zu finden). Die Zellen des Spenders dürfen nicht von denen des Empfängers als fremd empfunden werden.
Leukämie ist eine Überproduktion von Leukozyten (weiße Blutkörperchen als Teil des körpereigenen Immunsystems) und damit gestörte Blutbildung.
Weil Leukämie von den Knochenmarkzellen ausgeht, sollen gesunde Zellen eines Spenders die Aufgabe der Blutbildung übernehmen.
Wer sich typisieren lässt, kommt in die ‚Zentrale Knochenmark Spender-datei Ulm‘.
Weltweit gibt es bereits rund dreißig Millionen registrierte potenzielle Stammzellenspender.

Bilder und Text: Florian Duschl